ADHS

Diagnostik

AD(H)S (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Störung, die sich durch Probleme mit Aufmerksamkeit, Impulsivität und Selbstregulation äußert. Bei einigen Betroffenen tritt zusätzlich Hyperaktivität auf, doch diese ist nicht immer vorhanden. Oft wird es bei Mädchen und Frauen erst später, häufig im Erwachsenenalter, erkannt.

ADHS im Erwachsenenalter

Typische Symptome sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Schwierigkeiten mit der Selbstregulation, die die schulischen, beruflichen und sozialen Leistungen beeinträchtigen. Eine Diagnose erfolgt, wenn diese Symptome die Lebensqualität stark beeinflussen und vor dem 12. Lebensjahr erkennbar sind. Unbehandeltes AD(H)S kann zu schulischen und beruflichen Problemen, sozialer Isolation und einem erhöhten Risiko für Risikoverhalten und psychische Erkrankungen führen


Im Verlauf des Erwachsenenalters nimmt die äußere motorische Unruhe häufig ab oder wird weniger auffällig. Allerdings berichten viele Betroffene von einer intensiveren inneren Unruhe und häufigem Gedankenrasen. Studien haben zudem gezeigt, dass sich Impulsivität mit dem Alter verändert. Im Gegensatz dazu bleibt die Unaufmerksamkeit über die gesamte Lebensspanne hinweg relativ konstant. Bei Aufmerksamkeitsproblemen ist jedoch zu beachten, dass die Symptome immer im Kontext der aktuellen Lebensumstände und Anforderungen betrachtet werden müssen, die sich im Laufe der Zeit ebenfalls verändern.

Ablauf der Diagnostik

Die ADHS-Diagnostik folgt einem mehrstufigen Prozess, bei dem verschiedene Perspektiven und Methoden kombiniert werden. Wichtige Bestandteile dieses Prozesses sind:

Klinischer Eindruck
Im Gespräch schildern Sie, wie Sie sich selbst erleben und welche Herausforderungen Sie wahrnehmen. Dieses Gespräch wird meist nur leicht strukturiert, sodass ich Ihnen Raum gebe, frei von Ihren Erfahrungen und Sorgen zu berichten.

Biografische Anamnese
Die Diagnose ADHS erfordert eine Betrachtung der Symptomatik über die gesamte Lebensspanne. Eine ADHS-Diagnose sollte Rückschlüsse auf die Kindheit oder Jugend zulassen, auch wenn die Symptome im Erwachsenenalter stärker manifest werden können. Gemeinsam arbeiten wir ein klares Bild Ihrer Entwicklung, um eine ADHS-Diagnose abzusichern und andere Ursachen auszuschließen.Dabei wird eine detaillierte Anamnese erhoben, die sowohl allgemeine Lebensgeschichte als auch symptombezogene Aspekte über die gesamte Lebensspanne umfasst. Ich berücksichtige auch mögliche Komorbiditäten, also zusätzliche Erkrankungen, sowie Differentialdiagnosen, um auszuschließen, welche anderen Ursachen für Ihre Beschwerden in Frage kommen könnten.

Strukturiertes Interview
Ein standardisiertes, strukturiertes Interview ist das wichtigste diagnostische Instrument. Hierbei erheben wir systematisch Ihre Symptomatik und den Leidensdruck in verschiedenen Lebensbereichen, sowohl in der Gegenwart als auch in der Kindheit.

Psychische Testdiagnostik
Ein Screening auf andere psychische Störungen wird durchgeführt, um mögliche differentialdiagnostische Aspekte zu klären. Falls Hinweise auf zusätzliche Probleme bestehen, erfolgt eine weiterführende Diagnostik.

Fremdanamnese
Die Einbeziehung eines nahen Vertrauten (Elternteil, Partner, Freund) ist hilfreich, da diese Personen oft wichtige Informationen zu Ihrer Kindheit und Jugend beitragen können. Ein strukturiertes Interview und standardisierte Fragebögen ergänzen die Fremdanamnese.

Zeugnisse
Schulzeugnisse, besonders aus den ersten Jahren, können zusätzliche Hinweise liefern, wenn sie auffällige Vermerke enthalten.


Wichtige Unterlagen für das Erstgespräch:

Je mehr Informationen vorliegen, desto präziser kann die Diagnose gestellt werden. Bitte bringen Sie daher möglichst die folgenden Unterlagen zum Erstgespräch mit:

  • Relevante Arztbriefe, Therapieberichte und Krankenhausberichte aus der gesamten Lebensspanne
  • Medikamentenplan und Liste aller aktuellen und chronischen Diagnosen
  • Schulzeugnisse und ein stichpunktartiger Lebenslauf (schulischer und beruflicher Werdegang)

Häufig gestellte Fragen